Kinder im Frauenhaus

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    • Kinder im Frauenhaus

      Hallo,

      nach langem Überlegen habe ich mich doch durchgerungen, dieses Thema anzugehen. Es ist jetzt zwar schon 3 Jahre her und für mich weitgehend verarbeitet, aber es bleibt der Eindruck, dass hier ein prinzipielles Systemproblem vorliegt, das eigentlich niemand anspricht. Deshalb möchte ich eine Diskussion starten, und evtl. kann es auch ein Thema für den ISUV sein. Meinen Sohn beschäftigt das das damals Erlebte immer noch stark; er hatte gerade erst in den letzten Tagen dazu erheblichen Redebedarf.

      Im Kern geht es hier um Auswirkungen auf Vater und Kinder bei einem ungerechtfertigten Frauenhausaufenthalt von Frau und Kindern.

      An einem Abend Mitte Dezember vor 3 Jahren kam ich nach der Arbeit nach Hause. Wohnung leer, Frau und beide Kinder, damals 11 und 6, weg. Nach einigem Suchen und Telefonieren dann Vermisstenanzeige und einige Zeit später die „Erfolgsmeldung“ der Polizei: sie sind an einem sicheren Ort und es besteht kein Wunsch, Kontakt zu mir aufzunehmen. Das war dann die Trennung von meiner inzwischen geschiedenen Ex. Wie ich später rekonstruieren konnte, hatte der neue Partner meiner Ex sie offenbar gezielt (ohne hier auf Details einzugehen) in einen psychischen Ausnahmezustand gebracht, sie war in Panik und hatte Angst. Er hatte ihr auch vorab den Platz im Frauenhaus organisiert und sie dann hingefahren. Viel später habe ich auch erfahren, dass mein Sohn (6), schon immer ein „Papakind“, sich gegen diese Abreise gewehrt hatte und mit etwas Gewalt ins Auto des neuen Partners gezerrt werden musste.

      Die Kinder gingen dann auch nicht mehr in die Schule. Es wäre zu gefährlich, hatte der neue Partner telefonisch gegenüber meiner Ex-Schwiegermutter dazu gesagt. Dieser eine kurze Anruf, bei der er ihr auch mitteilte, dass meine Ex mit den Kindern in einem Frauenhaus war, war auf Wochen das einzige Lebenszeichen. Die Kinder verbrachten die Zeit im Frauenhaus praktisch völlig von der Außenwelt isoliert. Sie waren fast immer innen im „Frauenhaus“ (de facto eine Wohnung). Alle Versuche, Kontakt aufzunehmen, auch durch die Familie meiner Ex, wurden den Mitarbeitern abgeblockt. Auch an Weihnachten war kein Kontakt möglich. Emotional für mich fast wie eine Entführung.

      Schwierig war es z.B. auch, wenn besorgte Freunde der Kinder kamen und sich erkundigten: wie es ihnen geht, wann sie wiederkommen. Sie hatten auch große Schwierigkeiten, das plötzliche Verschwinden und die Nicht-Erreichbarkeit zu verstehen, und ich wusste auch nicht, was ich ihnen sagen sollte.

      Es gab im Frauenhaus ein Büro mit einer Mitarbeiterin, aber die hat sich nie um die Kinder gekümmert oder mit ihnen geredet. Es fanden wohl Gespräche mit meiner Ex statt, und nach ca 2-3 Wochen wurden sie „rausgeschmissen“. Was nicht überraschend war, weil es bei uns ja nie Gewalt gegeben hatte. Erst 4 Wochen nach dem Verschwinden konnte ich die Kinder, wie inzwischen gerichtlich vereinbart, das erste Mal wiedersehen, und es dauerte noch weitere 9 Monate bis sie schließlich wieder zu mir nach Hause umziehen konnten.

      Mein erstes Eilverfahren nach dem Verschwinden der Kinder war mangels Fachanwalt eigentlich unsinnig (Herausgabe der Kinder). Mein späterer Fachanwalt meinte dann, das einzig rechtlich sinnvolle in dieser Situation wäre ein Antrag auf sofortigen Umgang gewesen.

      Nach meiner Erfahrung gab es einiges, was so eigentlich nicht sein dürfte:

      • Es gab keine Möglichkeit zu erfahren, was mir vorgeworfen wurde (das weiß ich bis heute nicht)

      • Ebenso keine Möglichkeit zur Stellungnahme oder Verteidigung.

      • Kein Kontakt zu den Kindern, obwohl sich die Kinder das durchaus gewünscht hätten.

      • Völlig von der Außenwelt, von Familie und Freunden, isolierte Kinder.

      • Keine Hilfsangebote für die Kinder im Frauenhaus. Sie waren alleine ihrer - in der Situation psychisch instabilen - Mutter ausgeliefert.

      • Gesellschaftlich häufig eine „Schuldvermutung“, eine Vorverurteilung, des Vaters. Ein Polizist sagte z.B. einmal sehr kurz angebunden zu mir, wenn meine Ex im Frauenhaus ist, würde das wohl seine Gründe haben. Ich hatte kein Geheimnis daraus gemacht (ich hatte mir ja nichts vorzuwerfen) und z.B. auch an den Schulen gesagt, was passiert ist.

      • Keine „Rehabilitation“ durch das Frauenhaus nachdem sich herausstellte, dass Ex ungerechtfertigt dort aufgenommen wurde. Dass sie dort (wörtlich) „rausgeschmissen“ wurde, wurde nur per Zufall durch ein späteres Gesprächsprotokoll der Verfahrensbeauftragten der Kinder dokumentiert.

      Der Schutzmechanismus um die Institution Frauenhaus funktioniert gut. Von Jugendamt, Polizei und Staatsanwaltschaft wurden alle Versuche abgeblockt, dagegen anzugehen. Dabei wird irgendwie völlig übersehen, dass Väter auch Rechte haben und dass der Aufenthalt im Frauenhaus vielleicht gar nicht im Sinne des Kindswohls ist.

      Gruß
      Jon
    • Hallo Jon,

      danke, dass du uns deine Geschichte so offen erzählt hast. Ich bin mir sicher, dass dir das nicht leicht gefallen ist,

      Der Missbrauch dieses sinnvollen und wertvollen Schutzsystems 'Frauenhaus' ist nie wirklich auszuschließen. Es fällt für mich in die gleiche miese Kategorie wie 'vorgetäuschte Vergewaltigung, Missbrauch oder Misshandlung der gemeinsamen Kinder' usw. Das schadet vor allen Dingen den Frauen und Kindern, denen wirklich Gewalt angetan wurde. Es kratzt an der Glaubwürdigkeit aller betroffenen Frauen.

      Es gibt also mehrere Opfer. Da sind die Frauen, denen man nicht glaubt und da sind Ehemänner und Väter, denen ein schäbiges Verhalten vorgeworfen oder zumindest unterstellt wird - nicht zu vergessen die Kinder, die schamlos und rücksichtslos als Waffe eingesetzt werden (wie du es ja eindrücklich beschrieben hast), die vermutlich Jahre brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten und einzuordnen.

      Eine Lösung weiß ich nicht. Wir können Frauenhäuser nicht abschaffen - das wäre der falsche Weg und würde vielen Frauen und Kindern die letzte Zufluchtsmöglichkeit nehmen. Aber vielleicht könnte man erreichen, dass in den Fällen falscher Anschuldigungen strafrechtlich engagierter und konsequenter vorgegangen wird.

      Ich bin gespannt auf die Reaktionen, Meinungen und Erfahrungen unserer User.

      Gruß
      Susanne