Faire Trennung trotz höherem Vermögen möglich?

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    • Faire Trennung trotz höherem Vermögen möglich?

      Hallo liebe User.

      Ich schreibe heute für eine gute Freundin, die sich gerade dazu entschieden hat, sich von ihrem Partner zu trennen.
      Sie selbst ist keine Deutsche und da sie sich nicht so gut ausdrücken kann und da sie mit der ganzen Sache schon jetzt völlig überfordert ist, möchte ich hier ein paar Fragen für sie klären.

      SIE lebt seit 21 Jahren in Deutschland und ist seit 20 Jahren mit ihrem Mann hier verheiratet.
      Beide leben schon seit mehreren Jahren innerhalb des großen Hauses in getrennten Bereichen.
      Es gibt 2 Kinder (14 und 19 Jahre).
      Der Mann hat ein erhebliches Vermögen (2 geerbte Häuser und Barvermögen).
      Das Barvermögen wurde vom Mann zum größten Teil bereits VOR der Ehe erwirtschaftet.
      SIE arbeitet aber selbst auch und verdient sich ein eigenes (kleines) Gehalt, welches SIE jedoch jeweils mit in den Haushalt eingebracht hat...

      Nun hat sie natürlich Angst, dass sie kaum etwas bekommt, wenn sie sich nun trennt und die Scheidung einreicht.
      Soweit mir bekannt ist, hat sie gem. Zugewinn-Regelung keinen Anspruch auf Teile des Vermögens, welches ihr Ehemann VOR der Ehe hatte.
      Während der Ehe wurde offenbar kein weiteres größeres Vermögen mehr aufgebaut, da ihr Ehemann dann auch nicht mehr gearbeitet hat (er ist wesentlich älter als sie).

      Zur Info:
      Für sie wäre es OK, wenn sie z.B. eines der beiden Häuser erhalten könnte, damit sie weiterhin dort mit den Kinder leben könnte. Das Barvermögen ist ihr nicht so wichtig.

      Sie war bereits bei einem Anwalt, der ihr geraten hat, alles was mit Barvermögen zu tun hat, zu erfassen und ihm vorzulegen.

      Ihre (und auch meine) Fragen sind nun folgende:

      1) Wie schätzt Ihr diese Situation ein?

      2) Wäre es eine Möglichkeit, eine faire Trennung zu versuchen, indem sie einfach versucht, sich mit ihrem Ehemann zu einigen (also ohne Anwälte und Gerichtsprozess etc.)?
      Wenn ja --> worauf müßte sie dann achten... bzw. wie sollte sie vorgehen?

      Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir (ihr) in dieser Sache weiterhelfen könntet.

      Danke und schöne Grüße,
      BN_2013

      The post was edited 3 times, last by BN_2013 ().

    • Hallo BN,

      eine faire Trennung ist möglich, wenn beide Beteiligten es so wollen. Am besten, man einigt sich über die Punkte Zugewinnausgleich, Versorgungsausgleich und nachehelicher Unterhalt, schreibt alles auf und erstellt einen Vertrag, den man notariell beurkunden lässt (Scheidungsfolgenvereinbarung).

      Insgesamt beurteile ich die rechtliche Situation für deine Freundin nicht günstig. In den Zugewinn fließt nur der Vermögenszuwachs ein, z.B. durch Miet- oder Zinseinnahmen. Ererbtes Vermögen (egal ob vor oder nach der Eheschließung) fließt nicht mit ein. Deine Freundin hat bei so langer Ehe einen Anspruch auf nachehelichen Unterhalt, etwa ein Drittel der Ehedauer. Einnahmen des Mannes sind dabei z.B. Mieteinnahmen, aber auch der Wohnwert des selbst genutzten Hauses. Das kommt natürlich nur zum Tragen, wenn die Einkünfte des Mannes höher sind als die deiner Freundin, Unterhalt für das minderjährige Kind vorher abgezogen.

      In den Versorgungsausgleich gehen die Rentenanwartschaften deiner Freundin ein. Wenn der Mann nicht gearbeitet hat, dann hat er keine Ansprüche erworben, aber vielleicht private Vorsorge betrieben, die mit eingerechnet wird.

      Warum sollte der Mann ihr ein Haus geben? Oder dachte sie an mietfreies Wohnen, den Wohnwert als Unterhalt gesehen?

      Ein wichtiges Argument für eine friedliche Einigung sind die Kinder. Die beiden wollen vielleicht noch auf Abiturfeiern, Hochzeiten, Taufen usw. beide Eltern einladen, ziemlich doof wenn beide Eltern dann in unterschiedlichen Ecken sitzen und sich gegenseitig ignorieren.

      Gruß Adler
    • Hallo BN_2013,

      Ich befürchte dass sie hier ziemlich leer ausgehen könnte.

      Schenkungen und Erbe gehen ins Anfangsvermögen, d.h. wird so gestellt als wenn es schon vor der Ehe dagewesen ist.

      Sie könnte also nur von einer Differenz (Endvermögen minus Anfangsvermögen =Zugewinn) profitieren.

      Ein Haus steht ihr i.d.R. nicht zu.

      lg
      edy
    • Vielen Dank für Eure super schnellen Antworten.

      Es ist so, dass sie der Tochter schon gesagt hat, wie unglücklich sie ist und dass sie an Trennung denkt.
      Die Tochter hat dann gesagt, dass sie gerne bei der Mutter bleiben möchte... aber dann in dem Haus, in dem sie jetzt lebt (es ist ein sehr großes Haus mit allem möglichen Luxus...).
      Daher kam ihr der Gedanke, dass sie gerne ein Haus hätte und dass sie hofft, dass ihr Mann sich ggf. darauf einläßt - vor allem, wenn er weiß, dass die Tochter gerne dort bleiben möchte.

      Mit dem Zugewinn das hatte der Anwalt ihr auch schon so ähnlich erklärt... dass sie also da kaum Anspruch habe.

      Am Ende bedeutet das, dass eine Trennung / Scheidung für sie bedeuten würde, dass sie sich existenziell erheblich verschlechtert, wenn ich das so richtig verstehe... und das, obwohl ein großes Vermögen besteht.
      Kein Wunder, dass sich in solchen Situationen viele Frauen dann dazu entscheiden, lieber weiter zu leiden - und mit einem Mann weiter zusammen zu bleiben, den sie überhaupt nicht mehr wollen.

      Was wäre denn anders, wenn sie nur eine Trennung und KEINE Scheidung wollen würde?
      Wäre das günstiger für sie?

      Danke nochmals...

      Schöne Grüße,
      BN_2013

      The post was edited 1 time, last by BN_2013 ().

    • Hallo BN,

      Die Frage ist halt ob der Mann kompromissbereit ist ?

      Bei einer Scheidung wird der Versorgungsausgleich durchgeführt.

      Sie hat dadurch aber i.d.R. erst ab ihrem Rentenzeitpunkt etwas davon.

      Dem Mann würden aber die erworbenen Rentenpunkte (für die Zeit der Ehe) zur Hälfte genommen werden.

      Dies hätte zur Folge: Weniger Kindesunterhalt, weniger Ehegattenunterhalt.

      Hier sollten beide genau überlegen/rechnen.

      lg
      edy
    • Hallo edy,

      welchen Rentenpunkte würden dem Mann denn abgenommen? Wenn er nicht berufstätig war und vom Ertrag seines Vermögens gelebt hat? Meines Erachtens würden im Ergebnis der Freundin die Rentenpunkte abgenommen.

      Allerdings, wie oben geschrieben müsste der Mann die Hälfte seiner privaten Altersvorsorge in den Versorgungsausgleich einfließen lassen. War denn etwas über Güterstand vereinbart? Wenn die Frau so schlecht deutsch spricht, und zum Zeitpunkt der Eheschließung sicher noch schlechter, hat sie vielleicht einen Ehevertrag unterschrieben, ohne genau zu wissen, was sie da unterschreibt?

      Gruß Adler
    • Hallo nochmal und danke für Eure weiteren Antworten...

      Sie hat keinen Ehevertrag unterschrieben.

      Kann ich also Eure Antworten so verstehen, dass eine Scheidung wahrscheinlich die bessere Lösung wäre?
      Natürlich möchte sie auch nicht weiter in einem Haus leben, welches dann noch dem Mann gehört und in dem sie nur "lebenslanges Wohnrecht" oder so etwas in der Art hat... quasi statt Unterhalt.
      Soweit ich sie verstanden habe, möchte sie da schon eine klare Trennung haben. Es wäre auch ein seltsames Gefühl für sie (und einen evtl. mal späteren neuen Partner), wenn sie quasi dann noch im Haus des Ex-Mannes leben würde.

      Es kommt ja nun auch noch darauf an, was genau sie an weiterem Vermögen (ggf. angelegtes Geld) findet und dann, wieviel davon während der Ehezeit angehäuft wurde. Wenn ich Euch richtig verstehe, dann hätte sie hier dann einen Anspruch. Wäre das auf 50% dieses Barvermögens?

      Danke und schöne Grüße,
      BN_2013
    • Hallo BN,

      finanziell kann man das ohne genaue Kenntnis der Werte (und Wertentwicklung) des Barvermögens und der Häuser gar nicht sagen. Ich würde von einem finanziellen Abstieg ausgehen und mich dann fragen, ob es mir das Wert ist, auch wenn es bis auf Hartz-IV Niveau gehen sollte.

      Die Alternative wäre, es mit neuer Energie und vielleicht einer Paarberatung noch einmal zu versuchen. Die Konstellation ist geeignet, gegenseitiges Misstrauen zu schüren. Sie hat 20 Jahre lang an der Seite eines Mannes gelebt, der ihr einen Luxus geboten hat, den sie sich alleine nicht hätte leisten können. Er wiederum hat 20 Jahre lang genießen können, eine wesentlich jüngere Frau an seiner Seite zu haben. Das kann Mann genießen, so lange Mann in den besten Jahren ist, aber später, wenn Gesundheit und Kraft nachlassen, wird es schwieriger. Das, was man vom anderen erhalten hat gegenseitig Wert zu schätzen, das Positive zu sehen und nicht ins Misstrauen zu fühlen, kann man üben.

      Nach einer Paarberatung kann man vielleicht wieder zusammen leben, auf jeden Fall kann man sich besser und fairer trennen, weiß ich aus eigener Erfahrung.

      Gruß Adler
    • Danke für die weiteren Antworten... und Tipps.

      @ Adler:

      Eine Paarberatung o.ä. fällt in diesem Fall absolut weg.
      Beide sind physisch und psychisch ja bereits seit rund 7 Jahren getrennt und deshalb lebt auch jeder in seiner eigenen Etage innerhalb des großen Hauses.

      Mittlerweile ist das Verhalten des Mannes für sie jedoch so schlimm, dass sie es nicht mehr aushält und sich trennen möchte.
      Sie wird zunächst mit beiden Kindern darüber reden, dass sie sich trennen will und sie hat gestern auch schon nach vorhandenem Barvermögen geschaut und dabei entdeckt, dass auch Geld im Ausland (Luxemburg) "gebunkert" wird...
      Jetzt wird sie sich zunächst nochmal an ihren Anwalt wenden, um zu erfahren, wie sie nun am besten vorgehen soll.

      Danke und schöne Grüße,
      BN_2013